Nur dieser Mann kann Le Pen stoppen und Europa retten- jeder sollte seine erstaunliche Karriere kennen

13. Februar 2017
Christian Hartmann / Reuters

  • Parteilos, nahezu programmlos und sozialistisch: Emmanuel Macron ist Frankreichs letzte Hoffnung gegen Marine Le Pen
  • Nach aktuellen Umfragen würde der ehemalige Wirtschaftsminister die Nationalistin bei den Präsidentschaftswahlen schlagen
  • Macrons politischer wie privater Werdegang ist voller erstaunlicher Details - und gerade die machen ihn so beliebt

Emmanuel Macron ist in Frankreichs Präsidentschaftswahlkampf die letzte Hoffnung auf einen Sieg gegen die Nationalistin der Front National. Der ehemalige Wirtschaftsminister und Sozialisten-Politiker hat erst im November seine unabhängige Kandidatur angekündigt, doch nach einem beispiellosem, von Korruptionsfällen überschatten Wahlkampf ist er der einzige Kandidat, der eine Präsidentschaft von Marine Le Pen noch verhindern kann.

Zwar liegt Macron in aktuellen Umfragen für den ersten Wahlgang nur auf Platz zwei, hinter der Rechtspopulistin. Aber im entscheidenden zweiten Wahlgang, so prophezeien es die Meinungsforscher, würde Macron die Nationalistin deutlich schlagen - und so Europa vor der Katastrophe eines EU-Austritt Frankreichs bewahren.

Dabei bringt Macron eigentlich alles mit, was es in Frankreich braucht, um sich als Politiker extrem unbeliebt zu machen. Er hat an der Eliten-Schule Henry IV sein Abitur gemacht, wurde dann Investmentbanker und übernahm schließlich das Amt des Wirtschaftsministers, in dem er milliardenschwere Steuererleichterungen für die Reichen beschloss.

Eigentlich sind gerade Politiker mit solch exklusiven Lebensläufen ein wichtiger Grund dafür, dass viele Franzosen der rechtspopulistischen Front National zustreben. Und doch ist auf einmal ausgerechnet ein Mann wie Macron der letzte Grund zur Hoffnung für diejenigen, die es nicht tun.

Und der 39-Jährige schafft es - ohne ein konkretes Programm - Frankreich zu begeistern.

Wer ist dieser Mann, auf dem nun die Erwartungen aller demokratischen Franzosen und Europäer lasten?

Macron, der neoliberale Sozialist

Emmanuel Macron bezeichnet sich selbst als Sozialisten. So richtig passen will das nicht, zu den eingangs erwähnten Steuererhöhungen. Und schon gar nicht zur letztjährigen Kritik an demonstrierende Gewerkschaftlern, die laut dem damaligen Wirtschaftsminister lieber arbeiten sollten, um sich einen Anzug wie seinen leisten zu können.

Die Disparität zwischen seinem liberalen Äußerem und dem sozialistischen Inneren erklärte Macron der "New York Times" im Oktober 2014 so: "Für mich bedeutet Sozialist zu sein heutzutage, die Arbeitslosen, die Jobsuchenden, aber auch den Geschäftsmann der eine Firma gründen will zu verteidigen."

Das soziale Modell müsse wegkommen von vielen formalen Schutzmaßnahmen und dazu dienen "die Engpässe in unserer Wirtschaft zu lösen." Frankreich sei krank und "besessen von seiner eigenen Schwäche", sagte Macron der Zeitung. Das Land brauche dringend Reformen. Sollte heißen: Das Land braucht ihn.

Macron "en marche"


Im November letzten Jahres rief Macron in seiner Antrittsrede als Kandidat zu einer "demokratischen Revolution" auf. Auch sein (Wahlkampf-)Buch ziert dieser Titel: "Révolution - Das ist unser Kampf für Frankreich".

Mit "uns" meint Macron natürlich alle Franzosen - ganz besonders aber die von ihm eigens ins Leben gerufene Bewegung "En Marche!", zu Deutsch "In Gang". Macron gründete sie schon im Mai 2016, sehr zum Ärger der Sozialisten und des Präsidenten Hollande. Im August gab er seinen Posten als Wirtschaftsminister auf, im November stieg er an der Spitze von "En Marche!" in den Wahlkampf ein.

Nach eigenen Angaben hat die Bewegung nun bereits fast 190.000 Mitglieder. Wie Macron selbst ist sie progressiv, europafreundlich und liberal.

Und doch: "En Marche!" ist keine Partei. Ein Grund zur Sorge, etwa für den ehemaligen Wirtschaftspolitiker und Geschäftsmann Jean Peyrelevade: Macron könne zwar Le Pen besiegen, aber ohne Partei werde er Frankreich politisch blockieren, schrieb er in einem Kommentar.

Macron gegen Le Pen

"Sie verraten die Freiheit, indem sie unseren Horizont einschränken. Sie betrügen unsere Gleichheit, indem sie sagen, dass manche gleicher sind als andere. Sie brechen mit unserer Brüderlichkeit, weil sie Gesichter hassen, die nicht wie ihre aussehen", wütete Macron erst kürzlich auf einer Wahlkampfveranstaltung in Lyon gegen den Front National , berichtet "The Independent".

Es ist dieser offensive Wahlkampf gegen den Rechtspopulimus, der dafür sorgt, dass Macron in Frankreich "die frenetische Liebe" junger Wähler zufliegt, "die Begeisterungsstürme, wenn er „Liberté, Égalité, Fraternité“ in die übervollen Säle ruft, als hätte er sich diesen Slogan gerade erst ausgedacht", schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Nationalstolz werde bei Macron zu Gastgeberstolz. Tatsächlich hatte Macron zu Jahresbeginn Merkels Flüchtlingspolitik mit den Worten gelobt, die Kanzlerin habe die Würde Europas gerettet.

Marine Le Pen wisse, wie gefährlich der aufkommende Politstar für sie ist, so die Zeitung. Sie versuche, ihn in den Schatten des französischen Establishments zu rücken, bezeichne ihn als „Kandidaten der Leere“. Le Pen soll über ihren größten Gegner gesagt haben: „Die neueste von der Oligarchie produzierte Medienblase ist Macron, er steht für nichts, repräsentiert niemand, hat keinerlei Idee und noch nie gewagt, sich einer demokratischen Wahl zu stellen.“

Macrons Liebes- und angebliches Doppelleben

Politik in Frankreich hat oft bis immer etwas mit Liebe und Sex zu tun. Die Franzosen schwärmten für Nicolas Sarkozys Frau Carla Bruni, empörten sich leidenschaftlich über die angeblichen Affären Dominique Strauss-Kahns und waren fast enttäuscht von den vergleichsweise seichten Frauengeschichten eines Francois Hollande.

Was den Politikfaktor Liebe und Sex angeht, liefert Emmanuel Macron. Seine jetzige Frau, Brigitte Trogneux, lernte er mit 15 Jahren kennen, schreibt die "New York Times" - sie war seine Französisch- und Theaterlehrerin, 40 Jahre alt und hatte drei Kinder.

Wieder und wieder und wieder sind Macron und Trogneux jetzt auf den Frontseiten der Klatschzeitschrift "Paris Match" zu sehen. Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" bezeichnete das Paar als "präsidiablen Vierbeiner mit zwei Köpfen"; Macron schlachte seine ungewöhnliche Lovestory ungeniert für den Wahlkampf aus, heißt es in einem weiteren "FAS"-Artikel.

Das verhindert jedoch nicht das Brodeln der französischen Gerüchteküche: Macron soll eine Affäre mit Mathieu Gallet, dem Chef der staatlichen Radiosender haben. Wer ihn bei einer Affäre mit Gallet erwischt habe, müsse sein Hologramm gesehen haben, versuchte Macron die Gerüchte wegzuscherzen, berichtet Reuters

Europa lastet auf Macrons Schultern

Emmanuel Macrons Aufgabe ist gewaltig: Er muss Marine Le Pen verhindern, und mit ihr den drohenden Zusammenbruch der Europäischen Union.

Auf den Schultern eines Goethe-lesenden Sonnyboy (FAZ), eines sozialliberalen Populisten ohne politische Partei oder konkretes Programm, eines mit allen Traditionen brechenden Kaderpolitikers der alten Schule lastet die Verantwortung für die Zukunft Europas.

Noch nie hat es ein unabhängiger Kandidat geschafft, Präsident Frankreichs zu werden. Macron hat das Zeug dazu, der erste zu sein.

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